Presseerklärung vom 12. Juli 2009

In Freiburg demonstrierten am 11. Juli 600-700 Menschen anlässlich des G8-Gipfels im italienischen L‘Aquila gegen Kapitalismus, Krise und Repression. Um 17 Uhr versammelte sich die unangemeldete Demonstration am Schwabentor um von dort aus in Richtung Bertoldsbrunnen zu ziehen. „Die Demonstration war angesichts der Mobilisierung und den vielfältigen Aktionen ein voller Erfolg, etwa die Hälfte der DemonstrantInnen lief aus Schutz vor Nazis vermummt“, berichtet Marianne Fried vom Demonstrationsbündnis Kontrollverlust.

Die Polizei war wieder in unverhältnismäßig hoher Anzahl vertreten, hielt sich jedoch zu Anfang weitgehend zurück. Die Route wurde Stück für Stück über eine Kontaktperson mit der Polizei ausgehandelt. Am Bertoldsbrunnen wurden verschiedene Redebeiträge zum Thema Kapitalismus und Krise gehalten. Die anarchosyndikalistische Gewerkschaft FAU thematisierte u. a. die Arbeitsbedingungen in der Krise.

Am Martinstor setzten einige PolizistInnen ihre Helme auf. Teile der Demonstrations-Spitze beantworteten dieses Verhalten, in dem sie sich ebenfalls behelmte – mit Fahrradhelmen. Die nächste Kundgebung fand vor dem italienischen Konsulat an der Europabrücke statt. Dort wurde das G8-Gipfeltreffen in Italien thematisiert und an das Ende der 70er Jahren besetzte Haus am „Dreisameck“ erinnert.

Parallel zu der Demonstration gab es diverse dezentrale Aktionen: Einige als Clowns verkleidete AktivistInnen machten mit einer „Shoppingtour“ durch Freiburger Kaufhäuser auf den Konsumkult aufmerksam. Gegen 18 Uhr gab es eine kleine Fahrraddemo an der Johanneskirche, nachdem sich kurz zuvor einige Leute auf dem Augustinerplatz zu einer Wasserbombenschlacht getroffen hatten. Ein Highlight stellte das drei Meter hohe Raumschiff der intergalaktischen Superhelden dar.

Erst kurz vor dem Quartier „Grün“ verließ das seit der Kaiser-Joseph-Straße aufgezogene Polizeispalier die Demonstration, die in der Wilhelmstraße aufgelöst wurde. Im Anschluss gab es verschiedene direkte Aktionen von einigen KapitalismusgegnerInnen. Dabei wurden gezielt Einrichtungen, die für die herrschenden Verhältnisse stehen, symbolisch angegriffen.

Während des gesamten Tages kam es zu zahlreichen Personenkontrollen und mindestens zwei Ingewahrsamnahmen. „Obwohl die Polizei sich vorerst zurück gehalten hat, wurde das Spalier am Rande der Demonstration unnötiger Weise immer weiter aufgestockt, was die TeilnehmerInnen selbstredend provozierte“, findet Hans Saitan, Unterstützer der Aktion. „Zwar gab es keine Auseinandersetzungen, aber die Polizei ging auch nach der Demo brutal gegen Protestierende vor, riegelte das Sedanquartier ab und ließ zeitweise niemanden passieren“, so der Aktivist weiter. Während der Kontrollen wurden viele Personen von der Polizei fotografiert und zum Teil mit Kabelbindern auf dem Boden fixiert. Es wurden u. a. Kleidungsstücke beschlagnahmt.

„Insgesamt ist die Demonstration für die linksradikale Szene in der Region als Erfolg zu werten,“ findet Sandra Pohl. „Wir konnten unser Ziel, unangemeldet, vermummt und ohne Polizeispalier zu demonstrieren, größtenteils erreichen“, resümiert das Mitglied des Bündnis Kontrollverlust.

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