Aufrufe zur antikapitalistischen Demonstration am 11. Juli 2009 in Freiburg

Links­ra­di­ka­ler Auf­ruf (en)
Bil­dungs­po­li­ti­scher Auf­ruf

 
Links­ra­di­ka­ler Auf­ruf

Ka­pi­ta­lis­mus über­win­den, die fal­sche Frei­heit auf der Stre­cke las­sen!

Das all­jähr­li­che Tref­fen der füh­ren­den Wirt­schafts­na­tio­nen, wel­ches zu­letzt 2007 rund um Hei­li­gen­damm und 2008 in Japan Ge­gen­stand hef­ti­ger Pro­tes­te war, fin­det dies­mal vom 8. bis 10. Juli in Ita­li­en statt. Acht Jahre nach Genua ist und bleibt der rechts­ra­di­ka­le Pre­mier Sil­vio Ber­lus­co­ni Gast­ge­ber des Gip­fel­tref­fens. Da­mals er­schoss die ita­lie­ni­sche Po­li­zei einen De­mons­tran­ten und fol­ter­te Dut­zen­de. Der Pre­mier setz­te sich für Frei­sprü­che ein, Ver­ant­wort­li­che wur­den teil­wei­se auf EU-​Ebe­ne be­för­dert.

Zehn Jahre nach der Blo­cka­de des Tref­fens der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on in Se­at­tle 1999 zeigt sich das die füh­ren­den In­dus­tri­e­na­tio­nen ihre aus­beu­te­ri­schen und ge­walt­tä­ti­ge Wirt­schafts­po­li­tik, un­ge­ach­tet mas­si­ver Kri­tik wei­ter ver­fol­gen. Diese Po­li­tik hat zur heu­ti­gen Krise ge­führt. Nur Re­pres­si­on bleibt zur prä­ven­ti­ven Auf­stands­be­kämp­fung übrig.

Mi­li­tä­ri­sche Ein­sät­ze gegen die Zi­vil­be­völ­ke­rung und wach­sen­de Po­li­zei­auf­ge­bo­te wer­den mitt­ler­wei­le be­nö­tigt, um die Tref­fen füh­ren­der Po­li­ti­ke­rIn­nen ab­zu­schir­men. Die seit jeher be­rech­tig­te Kri­tik an ihrer Po­li­tik ge­winnt im Zu­sam­men­hang mit der Wirt­schafts­kri­se er­neut an Ak­tua­li­tät.

Mal eben die Krise (be-)krie­gen

Die Welt­wirt­schaft be­fin­det sich in der schwers­ten Krise seit dem Crash der Welt­wirt­schaft 1929. Der da­ma­li­ge Crash war erst das Vor­be­ben der gro­ßen Krise, mit mas­sen­haf­ter Ver­elen­dung und Mil­lio­nen von Ar­beits­lo­sen. Kommt wie da­mals das rich­tig Schlim­me erst auf uns zu?

Es ist fatal, für die Krise gie­ri­ge Ma­na­ge­rIn­nen, Ban­ke­rIn­nen und Spe­ku­lan­tIn­nen ver­ant­wort­lich zu ma­chen. Schuld sind auch nicht die Ar­bei­te­rIn­nen in den USA, die ihre Häu­ser und Autos mit Kre­di­ten kauf­ten, die sie nicht zu­rück­zah­len konn­ten. Es ist die ka­pi­ta­lis­ti­sche Welt­ord­nung, wel­che immer wie­der eine Über­pro­duk­ti­on an Waren er­zeugt, die keine Käu­fe­rIn­nen mehr fin­den. Durch die Pro­duk­ti­on von Waren, also die Aus­beu­tung un­se­rer Ar­beits­kraft, wird der­zeit kein „aus­rei­chen­der“ Pro­fit mehr er­zielt, wes­halb in Spe­ku­la­tio­nen in­ves­tiert wird.

Die Ge­gen­über­stel­lung eines „bösen“ neo­li­be­ra­len Ka­pi­ta­lis­mus und eines „guten“, pro­duk­ti­ven, schaf­fen­den, gar so­zi­al-​markt­wirt­schaft­li­chen Ka­pi­ta­lis­mus, lenkt davon ab, dass es nur einen Ka­pi­ta­lis­mus gibt. Und die­ser bringt seine Kri­sen selbst her­vor. Sie tre­ten mehr oder we­ni­ger re­gel­mä­ßig auf, wenn auch nicht über­all gleich­zei­tig.

Po­li­tik und Wirt­schaft wol­len nun mit Ret­tungs-​ und Kon­junk­tur­pa­ke­ten ver­su­chen, das Sys­tem wie­der an­zu­kur­beln. Doch die hun­der­te von Mil­li­ar­den, die jetzt zur Ret­tung von Ban­ken und Kon­zer­nen aus­ge­ge­ben wer­den, sind kei­nes­falls Spiel­geld. Wir und die Ge­ne­ra­tio­nen nach uns sol­len sie durch Lohn­kür­zun­gen, Ar­beits­zeit­ver­län­ge­run­gen, neue Ab­ga­ben, mehr Steu­ern, Ein­spa­run­gen und Kür­zung von So­zi­al­leis­tun­gen be­zah­len.

Die In­sti­tu­tio­nen der „füh­ren­den Wirt­schafts­na­tio­nen“ sind ge­zwun­gen, sich mit den Fol­gen der Krise aus­ein­an­der­zu­set­zen. Auf der Agen­da des dies­jäh­ri­gen Gip­fel­tref­fens der selbst­er­nann­ten „Welt­lei­tung“ (Ita­li­ens Au­ßen­mi­nis­ter Fran­co Frat­ti­ni über die G8) ste­hen Klima, Roh­stof­fe, Nah­rungs­mit­tel und Mi­gra­ti­on als si­cher­heits­po­li­ti­sche Ri­si­ken für In­dus­tri­e­län­der. Die be­schränk­ten Vor­rä­te an Roh­stof­fen und Le­bens­mit­tel sol­len dabei, auch mit mi­li­tä­ri­schen Mit­teln, zum Vor­teil der füh­ren­den In­dus­tri­e­na­tio­nen, ver­teilt wer­den. Die durch die Po­li­tik der G8 Na­tio­nen ver­ur­sach­te Krise be­kom­men so zu al­ler­erst die we­ni­ger in­dus­tria­li­sier­ten Län­der zu spü­ren.

… Re­pres­si­on als Kri­sen­be­wäl­ti­gung

Das in­of­fi­zi­el­le Motto des G8 lau­tet „We pro­du­ce se­cu­ri­ty“. Po­li­zei und Mi­li­tär sol­len im „Kampf gegen den Ter­ro­ris­mus“ stär­ker zu­sam­men­ar­bei­ten und Roh­stof­fe si­chern. Sich dar­aus ent­wi­ckeln­de so­zia­le Kämp­fe sol­len im Keim er­stickt wer­den. De­mons­tra­tio­nen wer­den mit enor­men Po­li­zei­auf­ge­bo­ten kon­fron­tiert und äh­neln oft mehr einer Auf­stands­be­kämp­fungs-​Übung. Gleich­zei­tig wer­den Grund­rech­te be­schnit­ten, der Über­wa­chungs­staat for­miert sich, es wird flei­ßig auf­ge­rüs­tet und selbst das Mi­li­tär wird wie­der im In­nern ein­ge­setzt, wäh­rend sich an den Au­ßen­gren­zen Eu­ro­pas die Grenz­schutz­agen­tur „Fron­tex“ um die ge­walt­sa­me Ver­tei­di­gung un­se­res „un­teil­ba­ren“ Wohl­stan­des küm­mert. Das mit die­sen Pro­zes­sen ver­bun­de­ne mas­sen­haf­te mensch­li­che Leid spielt für den Ka­pi­ta­lis­mus keine Rolle, so­lan­ge es nicht in Auf­stand, Re­vol­te oder Re­vo­lu­ti­on über­geht.

Doch wer glaubt, das alles finde nur in an­de­ren Re­gio­nen oder Staa­ten statt, irrt. Auch in Süd­deutsch­land wird der­zeit ver­sucht, mit neuen Ge­set­zen, immer mehr Po­li­zei und noch mehr Ka­me­ras, alles was „an­ders“ ist und sich die­sem Sys­tem wi­der­setzt, aus den In­nen­städ­ten zu ver­trei­ben. Wer sich der Frei­bur­ger schwarz-​grü­nen Ver­trei­bungs­po­li­tik in den Weg stellt, be­kommt Ver­bo­te, Platz­ver­wei­se und teure An­zei­gen.

Die In­nen­städ­te waren schon immer Tem­pel des Kon­sums. Den­noch gab es in Frei­burg ei­ni­ge we­ni­ge öf­fent­li­che Plät­ze, wo Men­schen sich ohne jeg­li­che kom­mer­zi­el­len Zwän­ge tref­fen konn­ten. Diese Plät­ze ver­schwin­den, wer­den pri­va­ti­siert, ka­me­ra­über­wacht oder be­baut. Häu­ser wer­den ge­räumt, Wa­gen­be­woh­ne­rIn­nen ver­trie­ben. Rings um den Stadt­kern wird wei­ter­hin bil­li­ger Wohn­raum ab­ge­ris­sen, um Platz für Ban­ken, Ver­si­che­run­gen und Lu­xu­s­öko­häu­ser zu schaf­fen. Im Rah­men der „Auf­wer­tungs­pro­zes­se“ in der so ge­nann­ten „Green City“ bleibt kein Platz für An­ders­den­ken­de übrig.

Die „so­zia­le Markt­wirt­schaft“ – also der Ka­pi­ta­lis­mus im Nor­mal­be­trieb – bringt auch jen­seits sei­ner Kri­sen genug ge­sell­schaft­li­ches Elend rund um den Glo­bus her­vor: stumpf­sin­ni­ge Lohnar­beit, Er­werbs­lo­sig­keit, psy­chi­sche Er­kran­kun­gen, Krieg, Um­welt­zer­stö­rung, Hun­ger und Tod.

Die füh­ren­den Wirt­schafts­na­tio­nen ga­ran­tie­ren die „Frei­heit“ ihrer Bür­ge­rIn­nen im Rah­men par­la­men­ta­ri­scher De­mo­kra­ti­en, die zu­gleich un­so­zia­le und au­to­ri­tä­re Struk­tu­ren auf­wei­sen. Der Staat setzt mit allen denk­ba­ren Mit­teln auf die Un­frei­heit der Men­schen. Eine auf Kon­kur­renz-​Den­ken auf­ge­bau­te Ge­sell­schaft funk­tio­niert durch Ge­walt, Kon­sum­zwang, Furcht und Über­wa­chung.

In der Krise eine Chan­ce sehen…

Auf dem Weg in ein schö­nes Leben wer­den wir uns nicht auf den Staat, Re­gie­run­gen und Par­tei­en ver­las­sen, die alles daran set­zen, mit na­tio­na­lis­ti­scher und ras­sis­ti­scher Pro­pa­gan­da den of­fen­sicht­li­chen Klas­sen­kon­flikt zu ver­schlei­ern.

…wir müs­sen es sel­ber ma­chen!

Was auch immer jetzt pas­sie­ren wird, die Dinge hän­gen von uns ab! Wir sind es, die allen ge­sell­schaft­li­chen Reich­tum pro­du­zie­ren und durch diese Macht kön­nen wir auch dafür sor­gen, dass es statt ewi­ger Kri­sen ein gutes Leben für alle auf dem Pla­ne­ten gibt. Eine Ge­sell­schaft ohne Herr­schaft, ohne geist-​ und ge­sund­heits­tö­ten­de Lohns­kla­ve­rei. Eine Welt, in der die Pro­duk­ti­ons­mit­tel, die noch be­nö­tigt wer­den, allen ge­hö­ren. Eine Welt ohne Lohnar­beit, Geld und ohne Gren­zen.

Eine von jeg­li­chen Zwän­gen und Herr­schaft be­frei­te Ge­sell­schaft, in der es Wohl­stand für alle gibt, wer­den wir aber nicht ge­schenkt be­kom­men. Wir wer­den sie uns Stück für Stück er­kämp­fen, müs­sen uns dazu selbst or­ga­ni­sie­ren und das herr­schen­de Sys­tem – die fal­sche Frei­heit – auf der Stre­cke las­sen!

 
Bil­dungs­po­li­ti­scher Auf­ruf

Einen Tag nach dem G8 Gip­fel in Ita­li­en:

Ka­pi­ta­lis­mus über­win­den, die fal­sche Frei­heit auf der Stre­cke las­sen!

Das all­jähr­li­che Tref­fen der füh­ren­den Wirt­schafts­na­tio­nen, wel­ches zu­letzt 2007 rund um Hei­li­gen­damm und 2008 in Japan Ge­gen­stand hef­ti­ger Pro­tes­te war, fin­det dies­mal vom 8. bis 10. Juli in Ita­li­en statt. Die “Grup­pe der 8“ (G8) ist eine nicht de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­te In­sti­tu­ti­on der acht mäch­tigs­ten Län­der der Erde. Den­noch trifft sie als selbst er­nann­te in­for­mel­le “Welt­re­gie­rung“ Ent­schei­dun­gen, die die ge­sam­te Mensch­heit be­tref­fen. Ihre Po­li­tik im Sinne ein­fluss­rei­cher Fi­nanz­an­le­ge­rIn­nen und Kon­zer­ne macht auch vor Bil­dung kei­nen Halt.

Bil­dung im Ka­pi­ta­lis­mus

Die G8 Staa­ten sind wich­tigs­ter Ak­teur in der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on (WTO). Im zen­tra­len Ab­kom­men der WTO über den Han­del mit Dienst­leis­tun­gen ist auch der Bil­dungs­sek­tor aus­drück­lich als Dienst­leis­tungs­markt klas­si­fi­ziert.

Der mas­siv kri­ti­sier­te „Bo­lo­gna­pro­zess“ zur Schaf­fung eines ein­heit­li­chen Bil­dungs­rau­mes in Eu­ro­pa ist eine Folge des GATS- Ab­kom­men der WTO. Die GATS-​Richt­li­ni­en zur Pri­va­ti­sie­rung und Öko­no­mi­sie­rung von Bil­dung ver­schär­fen die Ver­knüp­fung zwi­schen Bil­dung und ka­pi­ta­lis­ti­schen Sach­zwän­gen. Dabei war der Auf­bau des mo­der­nen Bil­dungs­sys­tems schon immer an die glo­ba­len, ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­se an­ge­passt. Die Aus­rich­tung der Bil­dung an In­ter­es­sen des Mark­tes wird aber ge­ra­de in den letz­ten Jah­ren mas­siv for­ciert. Un­se­re schu­li­sche/uni­ver­si­tä­re Bil­dung dient von An­fang an dazu, uns für den Ka­pi­ta­lis­mus ver­wert­bar zu ma­chen und uns davon zu über­zeu­gen, dass un­se­re spä­te­re Rolle im Sys­tem, sei es als Stra­ßen­fe­ge­rIn oder als Ma­na­ge­rIn die rich­ti­ge und nicht zu hin­ter­fra­gen­de sei. Sie soll uns also zu an­ge­pass­ten un­kri­ti­schen In­di­vi­du­en er­zie­hen.

Schon im ge­glie­der­ten Schul­sys­tem wird ge­trennt zwi­schen den­je­ni­gen, die die Chan­ce er­hal­ten, Ab­itur zu ma­chen, um sich da­nach auf der Uni­ver­si­tät und spä­ter im Beruf gegen an­de­re durch­zu­set­zen, und den­je­ni­gen, die mit einem Haupt-​ oder Re­al­schul­ab­schluss um die immer knap­per wer­den­den Aus­bil­dungs­plät­ze kämp­fen müs­sen. Wer hier­bei kei­nen Aus­bil­dungs­platz er­gat­tert, dem blei­ben nur noch Hartz 4, Schwarz­ar­beit, Kri­mi­na­li­tät oder Jobs mit Löh­nen von teils nicht mal vier Euro pro Stun­de. Zu­sätz­lich tra­gen auch Schu­le und Hoch­schu­le einen gro­ßen Teil zur Re­pro­duk­ti­on des ge­sell­schaft­li­chen Ras­sis­mus bei, indem den Ju­gend­li­chen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund der Auf­stieg in­ner­halb des Bil­dungs­sys­tems er­schwert wird. Die Schu­le ver­mit­telt in jeder Be­zie­hung genau die Denk­wei­sen, die von den zu­künf­ti­gen Ar­beit­neh­me­rIn­nen ge­braucht wer­den, um ihrer je­wei­li­gen Funk­ti­on im Sys­tem ge­recht wer­den. Als Gym­na­si­as­tIn lernt man, mit den an­de­ren zu kon­kur­rie­ren, sie aus­zu­ste­chen, ge­schickt mit Leh­re­rIn­nen, also Au­to­ri­tä­ten aus­zu­kom­men und Füh­rungs­rol­len zu über­neh­men. Als Haupt-​ oder Re­al­schü­le­rIn be­kommt mensch hin­ge­gen le­dig­lich für den Ar­beits­markt er­for­der­li­che Grund­la­gen ver­mit­telt, lernt sich un­ter­zu­ord­nen und sich nicht groß zu be­schwe­ren, da man sonst Ge­fahr läuft gar kei­nen Schul­ab­schluss zu er­hal­ten und der so­zia­le Ab­stieg wei­ter vor­an­schrei­ten würde.

Der Leis­tungs­druck auf Schü­le­rin­nen und Schü­ler und auf Stu­die­ren­de nimmt immer wei­ter zu.

Das 8 jäh­ri­ge Gym­na­si­um ist ein Bei­spiel dafür, dass es darum geht uns in mög­lichst kur­zer Zeit mit Wis­sen voll­zu­stop­fen, wel­ches spä­ter von der Wirt­schaft ver­wen­det wer­den kann. Zeit für au­ßer­schu­li­sches En­ga­ge­ment bleibt da­durch kaum.

Die De­vi­se lau­tet nicht Ler­nen fürs Leben son­dern Ler­nen für den Ar­beits­markt, also für den Ka­pi­ta­lis­mus. Es geht nicht um Bil­dung, die einen freie­ren Zu­gang zur Welt und sich selbst er­mög­li­chen könn­te, son­dern um reine Aus­bil­dung. Die ak­tu­el­le neo­li­be­ra­le Um­struk­tu­rie­rung der Hoch­schul­land­schaft lässt dies über­deut­lich wer­den.

Die Ein­füh­rung von Stu­di­en­ge­büh­ren und die BA/MA Um­stel­lung füh­ren dazu, dass sich eine immer klei­ner wer­den­de Elite bil­det und der Rest der Stu­die­ren­den der Wirt­schaft nach dem Ba­che­l­or­ab­schluss, mit völ­lig ver­schul­tem Stun­den­plan, als bil­li­ge Ar­beits­kräf­te zu Ver­fü­gung ste­hen. Der Groß­teil der Be­völ­ke­rung wird ganz vom Stu­di­um aus­ge­schlos­sen. Da­durch, dass öf­fent­li­che Gel­der immer wei­ter ge­kürzt wer­den und die Hoch­schu­len sich immer mehr an Geld­ge­ber aus der Wirt­schaft bin­den, sind wirt­schaft­lich nicht ver­wert­ba­re Stu­di­en­gän­ge, die even­tu­ell auch ein­mal das be­ste­hen­de Sys­tem hin­ter­fra­gen vom Aus­ster­ben be­droht.

Ganz offen for­mu­lier­te Peter Su­t­her­land Grün­dungs­ge­ne­ral­die­rek­tor der WTO die Auf­ga­be der Bil­dung im Ka­pi­ta­lis­mus: „Die Ver­ant­wor­tung für die Aus­bil­dung muss ein für alle mal der In­dus­trie un­ter­stellt wer­den […] Bil­dung soll­te als Dienst­leis­tung für die Wirt­schaft ver­stan­den wer­den.“

Ver­ständ­li­cher­wei­se haben des­halb Re­gie­run­gen und wirt­schaft­li­che Ak­teu­re kein In­ter­es­se daran, der Masse der Be­völ­ke­rung Bil­dung zu er­mög­li­chen. Men­schen, die ihr Um­feld kri­tisch re­flek­tie­ren, las­sen sich we­sent­lich schwe­rer be­ein­flus­sen und kon­trol­lie­ren. Men­schen, die gegen die herr­schen­den Zu­stän­de aktiv wer­den, wer­den mit Re­pres­sio­nen über­zo­gen. So müs­sen Schü­le­rIn­nen die sich an De­mons­tra­tio­nen be­tei­li­gen, nach­sit­zen, wer­den in der Schu­le ein­ge­sperrt oder be­kom­men sogar einen Schul­ver­weis an­ge­droht. Immer wie­der wer­den auch bei Bil­dungs­pro­tes­ten Men­schen fest­ge­nom­men.

Doch davon dür­fen wir uns nicht ein­schüch­tern las­sen!

… wir müs­sen es sel­ber ma­chen!

Damit Bil­dungs­in­hal­te nicht durch die Frage der ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­wert­bar­keit be­stimmt wer­den, ist es not­wen­dig, die Ver­ant­wor­tung über jede Form von Bil­dung in die Hände der am je­wei­li­gen Bil­dungs­pro­zess Be­tei­lig­ten zu geben und eben nicht in die der von der Wirt­schaft ab­hän­gi­gen Re­gie­run­gen. Wir müs­sen selbst aktiv wer­den, un­se­re Bil­dung selbst or­ga­ni­sie­ren, uns fra­gen wie wir frei von wirt­schaft­li­chem Ein­fluss ler­nen kön­nen ohne uns bloß für einen Beruf zu qua­li­fi­zie­ren, der uns dann wie ein Ge­fäng­nis ein Leben lang ein­sper­ren kann. Wir alle müs­sen den Wi­der­stand or­ga­ni­sie­ren gegen diese ka­pi­ta­lis­ti­sche Po­li­tik, die Se­lek­ti­on ver­schärft, Aus­schluss för­dert, Selbst­be­stim­mung schwächt und Le­bens­grund­la­gen zer­stört. Wir alle haben un­se­re For­men des Wi­der­stands und neh­men die Ver­tre­tung un­se­rer In­ter­es­sen selbst in die Hand, doch nur ge­mein­sam kön­nen wir aus der ge­schei­ter­ten Re­prä­sen­ta­ti­on un­se­rer In­ter­es­sen Kon­se­quen­zen zie­hen und er­folg­reich Druck aus­üben.

Da der Bil­dungs­pro­test sich nicht auf ein iso­lier­tes ge­sell­schaft­li­ches Phä­no­men be­zieht darf sich der Pro­test auch nicht al­lein auf Stu­die­ren­de uns Schü­le­rin­nen und Schü­ler be­schrän­ken. Viel­mehr ist eine Ver­ei­ni­gung mit ba­sis­de­mo­kra­ti­schen und an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Strö­mun­gen und So­zi­al­pro­tes­ten not­wen­dig, um eine mög­lichst brei­te Front zu er­rei­chen um die Re­for­men zu kip­pen und per­spek­ti­visch die ka­pi­ta­lis­ti­schen Zu­stän­de zu über­win­den.

Des­halb: Kommt zur an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen De­mons­tra­ti­on, or­ga­ni­siert euch selbst und lasst die fal­sche Frei­heit im Ge­sell­schafts-​ und Bil­dungs­sys­tem auf der Stre­cke…

 
De­feat Ca­pi­ta­lism – Leave the false free­dom in the dust!

The ye­ar­ly mee­ting of the eco­no­mic lea­ding na­ti­ons, which in 2007 and 2008 cau­sed mas­si­ve pro­tests in Ger­ma­ny and Japan, takes place from the 8th till the 10th of July in Italy this year. Eight years after Genoa, the ex­tre­me righ­tist pre­mier Sil­vio Ber­lus­co­ni hosts the sum­mit mee­ting again. At that time the Ita­li­an po­li­ce shot and kil­led a de­mons­tra­tor and tor­tu­red do­zens. The pre­mier plead for ac­quit­tals, some re­s­pon­si­ble per­sons have been ad­van­ced to EU po­si­ti­ons me­anw­hi­le.

Ten years after the blo­cka­de of the mee­ting of the World Trade Or­ga­ni­sa­ti­on in Se­at­tle 1999 it is shown that the lea­ding in­dus­tri­al na­ti­ons, de­s­pi­te mas­si­ve cri­ti­cism, still con­ti­nue their ex­ploi­ta­ti­ve and vio­lent eco­no­mic po­li­cy. This po­li­cy leads to today’s cri­sis. Re­pres­si­on is the only way that re­mains to com­bat upri­sings preven­tive­ly.

Mi­li­ta­ry ope­ra­ti­ons against the ci­vi­li­an po­pu­la­ti­on and growing po­li­ce con­tin­gents are ne­cessa­ry to pro­tect the mee­tings of lea­ding po­li­ti­ci­ans in these days. The al­ways le­gi­ti­ma­te cri­ti­cism on their po­li­tics re­gains ac­tua­li­ty again in con­nec­tion with the fi­nan­ci­al cri­sis.

Again(-st) the cri­sis

Glo­bal eco­no­my is in its worst cri­sis since the crash of 1929. This crash was only the fo­res­hock of the big cri­sis with pau­periza­t­i­on on a huge scale and mil­li­ons of un­em­ploy­ed. Are the real trou­bles like at that time still wait­ing for us at the mo­ment?

It is fatal to blame gree­dy ma­na­gers, ban­kers and spe­cu­la­tors for the cri­sis. Also the wor­kers in the USA, who bought their hou­ses and cars on credits which they couldn‘t pay back, are not guil­ty. It is the ca­pi­ta­list world order, which again and again cau­ses an over­pro­duc­tion of goods for which there are no buy­ers. At the mo­ment there is not en­ough pro­fit made out of the pro­duc­tion of goods – mea­ning the ex­ploi­ta­ti­on of our la­bour-​power – be­cau­se of this, money’s in­ves­ted in spe­cu­la­ti­ons.

The com­pa­ri­son of a bad neo-​li­be­ral ca­pi­ta­lism and a good pro­duc­tive, maybe even so­ci­al ca­pi­ta­lism only di­stracts from the fact that there is only one ca­pi­ta­lism. And this one au­to­ma­ti­cal­ly pro­du­ces its own cri­ses. They arise on a more or less re­gu­lar basis even though not ever­yw­he­re at the same time. Po­li­tics and eco­no­my now try to re­fla­te the sys­tem with re­s­cue pro­gram­mes and eco­no­mic sti­mu­lus packa­ges. But the hund­reds of bil­li­ons which are spend for re­s­cuing banks and cor­po­ra­ti­ons now are by no means play money. We and the fol­lowing ge­ne­ra­ti­ons have to pay them by wage cuts, leng­the­ning of wor­king hours, new dues, more taxes, eco­no­mi­zing and cut­ting of so­ci­al be­ne­fits.

The in­sti­tu­ti­ons of the lea­ding in­dus­tri­al na­ti­ons are forced to deal with the con­se­quen­ces of the cri­sis. To­pics on the agen­da of this year’s sum­mit of the self-​an­noun­ced „World Go­ver­nan­ce“ (Italy’s for­eign mi­nis­ter about the G8) are cli­ma­te, raw ma­te­ri­als, nou­rish­ments and mi­gra­ti­on as risks for the in­dus­tri­al na­ti­ons’ se­cu­ri­ty po­li­cy. The li­mi­ted re­ser­ves of raw ma­te­ri­als and nou­rish­ments are the­re­fo­re sup­po­sed to be al­lo­ca­ted to the ad­van­ta­ge of the lea­ding in­dus­tri­al na­ti­ons – even by mi­li­ta­ry means. By this the less in­dus­tria­li­zed na­ti­ons feel the full force of the cri­sis cau­sed by the po­li­tics of the G8 na­ti­ons first.

…Re­pres­si­on as cri­sis ma­nage­ment

The G8’s un­of­fi­ci­al motto reads „We pro­du­ce se­cu­ri­ty“. Po­li­ce and mi­li­ta­ry forces are sup­po­sed to work to­ge­ther more clo­se­ly at war on ter­ro­rism and se­cu­re raw ma­te­ri­als. So­ci­al con­flicts ari­sing from this are sup­po­sed to be nip­ped in the bud. De­mons­tra­ti­ons are con­fron­ted with enor­mous po­li­ce pre­sence and often look more like trai­nings for figh­ting upri­sings. At the same time fun­da­men­tal rights are re­stric­ted, the sur­veil­lan­ce state forms up, ar­ma­ment is ke­en­ly prac­ticed and even mi­li­ta­ry forces are used in the inner coun­try, while on the outer bor­ders of Eu­ro­pe the bor­der guard agen­cy „Fron­tex“ takes care about the vio­lent pro­tec­tion of our „un­share­able“ pros­pe­ri­ty. The human mi­se­ry cou­p­led with these pro­ces­ses is not re­le­vant for ca­pi­ta­lism as long as it doesn‘t re­sult in upri­sings, re­volts or re­vo­lu­ti­ons.

But it’s false to be­lie­ve that all this only takes place in other re­gi­ons or sta­tes. At the mo­ment, there are even in Sou­t­hern Ger­ma­ny tries to drive away ever­y­thing which is dif­fe­rent and re­sis­ting the sys­tem out of the inner ci­ties with the help of new laws, more and more po­li­ce and even more ca­me­ras. Whoever blocks the path of this black-​green Frei­burg po­li­tics of de­ten­ti­on has to face bans, restrai­ning or­ders and ex­pen­si­ve char­ges.

The inner ci­ties al­ways have been temp­les of con­su­me­rism. Ne­ver­the­l­ess there were se­ver­al pu­blic spaces in Frei­burg where peop­le could meet wi­thout any com­mer­ci­al pres­su­re. These pla­ces va­nish, are pri­va­ti­zed, mo­ni­to­red by ca­me­ras or co­ver­ed with buil­dings. Squats are evic­ted, peop­le li­ving in wa­gons are dri­ven out. Around the city cent­re, cheap hou­sing space is still torn off to free space for banks, in­suran­ces and lu­xu­rious eco-​hou­ses. Wi­t­hin the „pro­cess of re­va­lua­ti­on“ of the so-​cal­led „Green City“ there is no space re­mai­ning for dis­si­dents.

The „so­ci­al mar­ket eco­no­my“ – mea­ning ca­pi­ta­lism in nor­mal mode – crea­tes en­ough so­ci­al mi­se­ry around the globe bey­ond its cri­ses as well: mind-​num­bing wage la­bour, un­em­ploy­ment, men­tal ill­ness, war, en­vi­ron­men­tal da­ma­ge, hun­ger and death.

The lea­ding in­dus­tri­al na­ti­ons gua­ran­tee the „free­dom“ of their ci­ti­zens wi­t­hin the frame­work of par­li­a­men­ta­ry de­mocra­cies, which at the same time con­tain un­so­ci­al and aut­ho­ri­ta­ri­an struc­tu­res. The state re­li­es by all means ima­ginable on the de­pri­va­ti­on of the free­dom of the peop­le. A so­cie­ty based on com­pe­ti­tiven­ess works through vio­lence, pres­su­re to con­su­me, fear and sur­veil­lan­ce.

See­ing a chan­ce wi­t­hin the cri­sis…

On the way towards a bet­ter life we won‘t rely on the state, go­vern­ments and po­li­ti­cal par­ties who use every pos­si­bi­li­ty to cover up the ob­vious con­flict of clas­ses with na­tio­na­list and ra­cist pro­pa­gan­da.

…we have to do it our­sel­ves!

What hap­pens now de­pends on us! We pro­du­ce all the so­ci­al we­alth and with this force we can enable a good life for ever­yo­ne on this pla­net in­s­tead of a con­stant cri­sis. A so­cie­ty wi­thout reign, wi­thout mind- and health-​kil­ling wage sla­very. A world, in which the still ne­cessa­ry means of pro­duc­tion be­long to all. A world wi­thout wage la­bour, money and bor­ders.

But a so­cie­ty freed from every form of pres­su­re and reign in which there is pros­pe­ri­ty for all won‘t be given to us as a pre­sent. We will fight for it bit by bit, the­re­fo­re have to or­ga­ni­ze our­sel­ves and leave the sys­tem – the false free­dom – in the dust!